Tatort: Griechenland, ein Samstag in der Taverne von
Athanasios Dhiakos.
Wir trinken griechischen Kaffee. Im Fernsehen
sprechen sie von der Krise, und Angela Merkel und Nicolas Sarkozy
schütteln sich wieder einmal die Hände. Panagiotis, der Wirt, schüttelt
den Kopf und schaltet um auf eine türkische Soap. Panagiotis nennt sich
Pangos und trägt Trainerhosen, einen Bart und einen Bauch zur Schau. Es
ist 10 Uhr morgens, er wartet darauf, dass die Taverne sich füllt, und
wir darauf, dass der Regen aufhört und wir weitergehen können.
Im Fernseher sieht man jetzt brennende Barrikaden,
das ist Athen. In der Taverne schaut niemand hin. Jeder Tisch ist
besetzt, alle schwatzen durcheinander. Pangos setzt sich kurz zu allen
hin, auch zu uns. «Na, seid ihr immer noch da?», meint er, lacht und
schiebt uns ein paar belegte Brote zu. Es regnet weiter. Seit gestern
Abend ununterbrochen. Aus Langeweile versuchen wir uns Backgammon
beizubringen. Um nicht aufzufallen, wechseln wir wie alle anderen am
Nachmittag von Kaffee zu Wein. Der Seemann erzählt uns, dass seine
Tochter in Athen studiere. Bisher sei aber in diesem Semester jede
Vorlesung ausgefallen, die Professoren streiken. Dann deutet er auf zwei
Männer, die in Tarnkleidung in der Taverne sitzen: «Die wollen Vögel
jagen gehen.» «Und die Tochter», wollen wir wissen, «was macht sie
jetzt?» «Sie jobbt und wartet darauf, dass es weitergeht», antwortet der
Seemann. Dann spricht er wieder über die Jagd.
(Erschienen in der Berner Zeitung vom 08.11.2011)
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